|
Rundbrief
2/2010
Postfach
6243, 3001 Bern, 031 313 10 17, Fax Nr. 031 313 10 11.
PC-Konto 30-35619-1. Sekretariat: e-Mail: info@g-cm.ch; www.g-cm.ch
Im Oktober 2009
Mitgliederinformation
2/2010
Liebe
Mitglieder, liebe Freundinnen und Fr
Zwei erfreuliche Ereignisse in unserem Sinn:
"Es
geschehen Wunder und Zeichen!" Nach jahrelanger (vergeblicher)
Aufforderung z.B. durch die Fachstelle OeME der Ref. Kirchen Bern-Jura-Solothurn
hat der "Schweizerische Evangelische Kirchen-bund" SEK
vom 25.September bis zum 10. Oktober 2010 endlich den Nahen Osten
besucht. Dabei standen vor allem die christlichen Minderheiten im
Fokus der zwölfköpfigen Delegation, wie aber auch das
dortige Zusammenleben der Religionen! Thomas Wipf, der abtretende
Präsident des Kirchenbunds, betonte nach der Reise, dass die
gemachten Erfahrungen zu einem entspannten Umgang miteinander in
der Schweiz führen können. In Syrien war der SEK-Präsident
besonders beeindruckt über das in Jahrhunderten gewachsene
Zusammenleben der Christen und Muslime. Natürlich stand auch
die bedrängte Lage der Christen im Irak im Zentrum, wo missionierende
Gruppen aus den USA die traditionellen Kirchen zusätzlich in
Schwierigkeiten bringen, wie auch die andauernde Abwanderung der
Christen aus dem gesamten Gebiet des Nahen Ostens.
Im
Oktober hatte Papst Benedikt XVI. katholische Bischöfe aus
dem Nahen Osten zu einer zweiwöchigen Synode nach Rom gerufen.
Hauptthema war auch hier die Lage der christlichen Minderheiten
in einer muslimisch dominierten Region und die Abwanderung vieler
Christen. Die Konferenz rief Israel dazu auf, die UN-Resolutionen
zu einem Ende der Besatzung palästinensischer Gebiete zu akzeptieren.
Im Abschlusskommuniqué fordern die Bischöfe Israel ausserdem
dazu auf, im Fahrwasser der Siedlerbewegung nicht die Bibel dazu
zu benutzen, um Ungerechtigkeiten gegen die Palästinenser zu
rechtfertigen.
Luzius Jordi, Co-Präsident
Foto
aus Syrien von Andreas Goerlich-Koch, das Vertreter verschiedener
Religionsgemeinschaften zeigt
Rückblick auf die Jahresversammlung vom
25. September 2010
Wir sind heute eigentlich zu Gast bei der "Offenen Kirche Region
Olten". Aus diesem Grunde zeigt uns der Vizepräsident,
Klaus Heinrich Neuhoff, einige Aspekte ihrer Arbeit auf. Der Trägerverein
"Offene Kirche Region Olten" wurde 2003 gegründet.
Er schafft Momente der Begegnung, sucht nach einer offenen Spiritualität,
engagiert sich im interreligiösen Dialog und organisiert künstlerische,
soziale und spirituelle Ausstellungen, wie. z.B. "Sterben und
Tod in Weltreligionen".
Urs
Dahinden ist seit 2008 Professor für Kommunikations- und Medienwissenschaft
und empirische Sozialforschung an der Hochschule für Technik
und Wirtschaft in Chur. Er stellt dem versammelten Publikum das
unter seiner Leitung durchgeführte Nationalforschungsprojekt
NFP 58 vor. Vor dem Hintergrund des Wandels der religiösen
Landschaft wo das Christentum an Bedeutung verloren hat und kulturell
neue Religionen in Erscheinung getreten sind, hat dieses Projekt
die Öffentlichkeitsarbeit der Religionen und ihre Darstellung
in den Medien untersucht. Dies mit speziellem Blick auf den Islam,
sind doch die Musliminnen und Muslime nach den Christen (Katholiken
und Reformierte), sowie den Konfessionslosen (11%!) die drittgrösste
Gruppe (4,26%).
Eindrücklich
schildert Urs Dahinden die ungleiche Ausgangslage der beiden Gruppen:
haben wir auf christlicher Seite eine Landeskirche mit professionellen
und proaktiven PR-Mitarbeitern wie es einem mittleren Unternehmen
entspricht, finden wir auf muslimischer Seite Laien, die auf Freiwilligen-Basis
Auskunft gegenüber den Medien erteilen müssen, so diese
überhaupt auf sie zukommen. Dies entspricht dem tiefen Organisationsgrad,
der für die muslimischen Gemeinschaften in der Schweiz kennzeichnend
ist.
Auf
Seiten der Medien haben wir es mit Journalisten zu tun, die keine
Spezialisierung in Religion aufweisen, - aber gerade Zeit haben,
etwas zu schreiben. Und wir haben es mit Zeitungen zu tun, die kaum
ein Ressort "Religion" kennen. Im Gegenteil, die Journalisten
glauben es sei besser, wenn sie nichts von Religion verstehen und
verwechseln diese Haltung mit Neutralität. Dem gegenüber
bemerkt Urs Dahinden zu recht, dass kein Interviewpartner aus der
Wirtschaft die fachliche Ignoranz eines Journalisten verzeihen würde.
Und die Leserschaft wohl noch weniger!
Wird über Religion berichtet, so geht es meistens um etwas
anderes, z.B. Politik oder Sport, und nicht in erster Linie um Religion.
Tendentiell wird der Islam nebenbei zu politischen Themen erwähnt
und dient so den journalistischen Stories mit ihren Erzählmustern
zur Charakterisierung des negativen Akteurs, des Bösewichts.
Das Christentum hat es da als alteingesessene Religion besser und
wird auch als Religion im grossen und ganzen positiv dargestellt.
Anders
als vielleicht erwartet, macht die Studie keinen Unterschied zum
Stand des Islam in den Medien vor und nach dem 11. September aus,
nur, dass seit dem 11. September lediglich mehr berichtet wird.
Urs Dahinden mag bei den Medien keine böse Absicht ausmachen,
wirft ihnen jedoch vor, dass sie gar keine Absicht haben, sprich
ihre gesellschaftliche Verantwortung nicht wahrnehmen. Diese bestünde
z.B. im Fördern demokratischer Werte oder dem Abspiegeln der
Vielfalt in der Schweiz.
Ernüchternd
war auch Urs Dahindens Einschätzung, dass die Wirkung der Medien
begrenzt ist. Aus früheren Erfahrungen wisse man, dass die
Medien kaum einen Einstellungswandel bewirken können. Die Anti-Minarett-Initiative
habe zudem gezeigt, dass die Leserschaft trotz negativer Empfehlung
der meisten Medien der Initiative zugestimmt hat, wohl weil die
Gegnerschaft in der Öffentlichkeit sozusagen absent war.
Was
rät nun der Medienspezialist den Muslimen, was den Medien oder
etwaigen Dritten? Allen voran ermahnt er die Muslime, mehr und professionellere
Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben und selbstbewusst aus der
Defensive herauszutreten. Hier ist laut Dahinden ein Haltungswandel
gefragt. Nicht erwähnt wurde allerdings die Tatsache, dass
die öffentlich-rechtliche Anerkennung des Islam in der Schweiz
die muslimische Gemeinschaft mit den benötigten Ressourcen
versehen könnte.
Auch erwähnt er den Druck nicht, der viele Muslime dazu bringt,
"nur ja nicht aufzufallen", aus Angst, sie könnten
registriert werden. Die Politik, allen voran den Bund, ruft Urs
Dahinden dazu auf, eine aktive und aufklärende Rolle hinsichtlich
der Bedeutung von demokratischen Grundwerten wie z.B. Religionsfreiheit
und Minderheitenschutz sowie Integration einzunehmen. Für die
Medien ist es höchste Zeit anzuerkennen, dass Religion auch
in einer modernen Gesellschaft ein Thema ist. Urs Dahinden ist überzeugt,
dass Journalisten und Medienhäuser dankbar wären für
Adresslisten von Experten und Weiterbildungsmöglichkeiten.
Zudem soll die Leserschaft bei negativen Erfahrungen z.B. bei einseitiger
Darstellung und kontinuierlicher Ablehnung von Lesebriefen vermehrt
die Möglichkeiten nutzen, sich an neutrale Dritte zu wenden,
wie z.B. die Ombudsstelle, den Presserat oder das Medienausbildungszentrum.
Wünschenswert wäre auch, wenn interreligiöse Vereine
sich mehr zu Wort melden würden. Auch der Rat der Religionen
könnte eine wichtige Rolle spielen.
Podiumsdiskussion
Die Moderatorin Amira Hafner-Al-Jabaji (selber Islamwissenschafterin
und Publizistin) erzählt einen Witz, der eine lebhafte Diskussion
über Wahrheit und Abbildung losreisst.
Der
arabische Journalist Tamer Aboalenin beobachtet die Berichterstattung
über den Islam in der Schweiz schon seit mehreren Jahren. Die
Wahrheit werde immer verdreht, das muslimische Opfer werde zum muslimischen
Täter und der Islam mit Negativem verbunden. Kein Redaktor
interessiere sich z.B. für die Ausstellung eines arabischen
Malers. Er verweist auch auf die mangelnde Haftung von Journalisten
und deren fehlendes Verantwortungsgefühl gegenüber dem
Inneren Frieden. So hat doch ein von SF1 ausge-strahlter Dokumentarfilm
einen körperlichen Angriff auf eine musli-mische Frau nach
sich gezogen. Auch bemängelt der arabische Journalist die fehlende
Sensibilität und den Respekt vor der Religion. Es werde über
den Koran geschrieben als ob er kein Heiliges Buch wäre. Er
kritisiert auch das mangelhafte Wissen über den Islam, wenn
z.B. Mädchenbeschneidung als ein islamisches Problem dargestellt
würde. Doch ist sich Herr Aboalenin ... wohl nicht bewusst,
dass selbst die ägyptischen Frauen auf dem Land glauben, der
Islam gebiete ihnen, ihre Töchter zu beschneiden. Wie soll
es denn ein westlicher Journalist besser wissen?
Simon
Spengler, Journalist und katholischer Theologe, weist auf den wachsenden
Instant-Journalismus hin, wo Reflexion nicht mehr möglich ist.
Journalisten liefen der Mehrheit hinterher, und es ginge v.a. darum,
Geschichten zu verkaufen. Dabei werde permanent auf Stereotypen
reduziert, die auch hartnäckig wiederholt würden. Tamer
Aboalenin hält dem entgegen, dass Erfolg aber gerade jene schmückt,
die es anders machen und verweist auf die wirklich berühmten
Journalisten, wie z.B. Arnold Hottinger, Ulrich Tilgner, Jürg
Bischoff, ... Andererseits bestätigt der freischaffende türkischstämmige
Journalist Mustafa Dikbas, dass es gerade auch im Online Journalismus
darum gehe, wieviel mal auf einen Artikel geklickt wird. Spengler
geht soweit zu sagen, dass ein Journalist gar nicht mehr selber
entscheiden könne.
Urs
Dahinden hält dem entgegen, dass man auch gute Geschichten
machen könne. Es sollten eben diese Boulevard-Methoden benutzt
werden, um positive Geschichten zu verkaufen. Es gebe so Ansätze
z.B. Jungunternehmer mit Migrationshintergrund zu porträtieren.
Ausserdem nütze die Opferrolle nichts. Die muslimischen Gemein
schaften und auch andere Kräfte, die unterstützend wirken,
sollten unbedingt aktiver werden.
Mustafa
Dikbas betont nochmals, wie medienscheu die muslimischen Gemeinschaften
sind. Es habe wenig kompetente und redegewandte Leute in ihren Gemeinschaften.
Und sie haben schlechte Erfahrungen mit den Medien gemacht. Oft
kam etwas völlig anderes heraus, als was sie sagen wollten.
Sie haben so gelernt, besser nichts zu sagen. Daher haben die Leute
in der Moschee die Anweisung, Anfragen an Verantwortlichen weiterzuleiten.
Alles
in allem war es eine ernüchternde Debatte, die die Lehren aus
Urs Dahindens Nationalfondsstudie bestätigt hat. Keine böse
Absicht, aber viel Ignoranz und Unbeholfenheit kennzeichnen das
Verhältnis von Islam und Medien in der Schweiz und es bleibt
viel zu tun für diverse gesellschaftliche Akteure, wo immer
sie wirken, muslimische Gemeinschaften, Journalisten, Medienhäuser,
interreligiöse Foren, sowie Behörden... im festgefahrenen
Dreieck zwischen Religion, Medien und Politik.
Mailin Scherl, Vorstandsmitglied
"Was
können wir von anderen Ländern für den Dialog zwischen
Christen und Muslimen lernen?"
"Dialogue
is something we can't evade. Wenn wir mit dem Dialog warten bis
die Muslime 15% der Bevölkerung ausmachen (Im Moment liegt
der muslimische Anteil der Bevölkerung bei 4,5%), dann werden
sie später sagen, dass sie auch keinen Dialog mehr wollen.
Dann wird der Teufel Froh sein"! (Zitat von Maan Bitar, evangelischer
Pfarrer in Miharden, einer Stadt neben Hama, die 100% christlich
ist).
Als
Pfarrer in einer Gemeinde (Mönchaltorf bei Uster ZH) mit steigenden
Familienzahlen muslimischer Herkunft und als Ehemann einer angehenden
Isalmwissenschaftlerin bot sich für mein Sabbatical geradezu
das oben genannte Thema an. Mich interessierte (und das war ja nach
der Minarettinitiative am 29.11.09 plötzlich ganz aktuell),
wie denn andere Länder den Dialog zwischen Christen und Muslimen
pflegen. So entschied ich mich (neben der Schweiz) für Armenien,
Libanon und Syrien. Beschränken möchte ich mich stellvertretend
auf Syrien, weil es auch stellvertretend für die anderen Länder
steht (ausser für Armenien).
Erfahrungen
aus Syrien
In Syrien gibt es eine lebendige Kultur des gemeinsamen Gesprächs.
Das ist auffällig und das habe ich auch bei zwei Konferenzen
feststellen können. Das ist sicherlich geschichtlich gewachsen
und bereichert durch die Tatsache, dass die Damaszener damals ihre
"Eroberung" durch die Muslime als "Befreiung vom
Joch von Byzanz" empfanden - also positiv. Beim näheren
Hinschauen bemerkt man allerdings, dass der Dialog staatlich gefordert
ist, da der syrische Staat das friedliche Zusammenleben aller Syrerinnen
und Syrer als oberstes Gebot formuliert hat und dies auch durch
ein Religionsministerium "organisiert".
Dass der syrische Präsident aus einer muslimischen Minderheit
stammt (Alawiten), das wird nicht von allen Muslimen gleichermassen
begrüsst, aber akzeptiert. Dass die Alawiten überhaupt
an die Macht gelangten rührt von Frankreichs Protektoratszeit
her, als die Sunniten ihren Söhnen verboten, Militärdienst
für die Fremdherrscher zu leisten, während die Alawiten
loyal zu Frankreich waren.
Dass Baschar Assad den 12% Christen viele Rechte gibt (weil nach
Assad das Christentum in die Welt von Damaskus aus "gestreut"
wurde nach der Blendung des Paulus), ist erfreulich, aber nicht
auf Dauer gesichert. Bei 80% Sunniten braucht es gestärkte
Kirchen, um auf lange Zeit ein starker Gesprächspartner zu
bleiben. Angesichts der Tatsache, dass etwa 40% der Syrerinnen und
Syrer unter 18 Jahren sind, scheint es sehr wichtig, diesen Dialog
zwischen starken Gesprächspartnern beizubehalten.
Mein
grosses Standbein in Damaskus war der protestantische Pfarrer Bhoutros
(Peter) Zaour. Die Kirche nennt sich "nationale evangelische
Kirche" - in Abgrenzung zu den Freikirchen, die aus dem Boden
spriessen. Sie und andere syrische Kirchen sind im Kirchenverband
der MECC (Middle East Council of Churches) zusammen geschlossen.
Präsident dieses Kirchenverbandes ist ein ägyptischer
Kopte (Giurgis Saleh), der 14 Schwesterkirchen vereint: Orthodoxe
und katholische Kirchen, evangelische und maronitische sowie melkitische...
Bhoutros Zaour hat gute Kontakte zu den meisten christlichen Denominationen,
er pflegt aber auch ehrlichen Kontakt zu seinen muslimischen Kollegen.
Die meisten umarmten ihn bei der Begrüssung. Durch ihn lernte
ich eine weitere wichtige Person kennen: Samer Laham, der für
das griechisch orthodoxe Patriarchat arbeitet und für das Religionsministerium
("ministry of endowment") interreligiöse Konferenzen
und Zusammenkünfte organisiert. Er vermittelte mir viele nützliche
Kontakte auf christlicher wie muslimischer Seite.
Die
Art und Weise der Konversation ist klar und diplomatisch. Ich staunte,
weil ich dachte, das sei so nicht möglich. Ein Beispiel in
Hama belehrte mich eines Besseren: So überraschte es mich auch
nicht mehr, ganz unterschiedliche Zentren der Religiosität
in Syrien kennen zu lernen.
In
Maloula, wo das erste syrische Kloster (des Sergius und Bacchus)
steht, wird die heilige Thekla verehrt. Maloula ist ein bekannter
Wallfahrtsort. Aber mindestens so viele Muslime kommen an diesen
Wallfahrtsort und verehren die Thekla. Ebenso im Deir (Kloster)
Mar Musa (Moses): Dort führt Pater Paolo ein interreligiös
lebendiges Kloster und Gesprächszentrum. Menschen aller Religionsrichtungen
kommen (und wandern) dorthin. Dafür sind die Christen in Scharen
auch das Jahr über in Damaskus bei der Höhle der "40
Märtyrer" zu sehen, die Stelle, an der nach muslimischer
Tradition Kain Abel umgebracht hat. Dort kann man neben der Moschee
in einer Höhle sogar noch einen Blutfleck sehen.
Auf
zwischenkirchlicher Ebene oder zusammen mit den Muslimen wird in
der Regel nach gütlichen Lösungen gesucht und der Atem
ist lang. In der Frage der Art des Dialogs sind sich Muslime und
Christen nicht einig: Etwa 50% beider Religionen finden es nötig,
dass nur "ein Dialog des Lebens geführt wird und der theologische
Aspekt draussen bleibt", die anderen 50% finden: "Ein
Dialog des Lebens ohne Glaubensüberzeugung ist nicht ehrlich,
schon gar nicht auf Dauer".
Aufgrund meines Sabbaticals neige ich persönlich zu der Auffassung,
dass ein Dialog zwangsläufig (spätestens nach dem dritten
Gespräch) auch theologisch wird und deshalb berücksichtigt
werden sollte.
Eine
weitere Aufgabe der Glaubensgemeinschaften in Syrien: Die Kirchen
sind auch mit den islamischen Glaubensgemeinden Garanten für
die gut 500'000 irakischen Flüchtlinge. Der Staat erlaubt zwar
einen Aufenthalt für die Flüchtlinge, sie dürfen
aber nicht arbeiten und müssen ihre Sozialhilfe über ihre
Verwandtschaft abdecken. Das ist fast nicht möglich, so helfen
die Kirchen und Moscheen mit Geld, Programmen, Betreuung und Gottesdiensten.
Andreas Goerlich-Koch, Pfarrer
Buchbesprechung
Stephan
Leimgruber: Feinde oder Freunde.
Wie können Christen und Muslime miteinander umgehen
Alle
paar Jahre flammt der sprichwörtlich gewordene Karikaturenstreit
wieder hoch; eine Vorlesung des Papstes in Regensburg wirft hohe
Wellen in der gesamten islamischen Welt; das Minarettverbot hierzulande
bleibt schwer verdaulich... Eine ganze Reihe von Problem- und Konfliktfeldern
zeigt: Christlich-islamische Beziehungen und Begegnungen sind oft
spannungsgeladen. Und zwar in Geschichte und Gegenwart.
Stephan
Leimgruber, Professor für Religionspädagogik, wertet diese
Konflikte als Test des Zusammenlebens. In seinem handlichen Topos
Taschenbuch gibt er dazu eine praktische Handreichung für Begegnung,
Dialog und Zusammenleben. Dabei werden Antworten gebündelt,
wie sie a) das Zweite vatikanische Konzil formuliert; b) Antwortrichtungen
von evangelischer und orthodoxer Seite skizziert; c) Johannes Paul
II als Freunde vieler Muslime in Erinnerung gerufen; und endlich
d) die Dialogbereitschaft der muslimischen Seite aufgezeigt.
Im
Kernkapitel "Wie verhalten sich die Religionen zueinander?"
vergleicht und wertet Leimgruber verschiedene religionstheologische
Modelle, um zu resümieren: "Vermutlich stösst die
Frage der Religionstheologie, also des Verhältnisses der Religionen
untereinander, doch an ihre Grenzen und müssen die Weltreligionen
zuerst aus sich selber verstanden werden" (S. 12).
Wo
aber Religionen aufeinander stossen, wird sodann durchbuchstabiert,
wie Begegnungen zu produktiven Lernfeldern werden können: In
Schule und Religionsunterricht, bei Religionsverschiedenen Ehen,
bei multireligiösen Feiern.
Mit
dem Konzept des japanischen Philosophen Nakamuro, der einen weisheitlichen
Umgang mit dem Fremden vorschlägt ("Xenosophie"),
wird das anregende Buch abgerundet. Ein ausführlicher Anhang,
auch mit Internetseiten, aber auch die Gestaltung der Kapitel, machen
das gut 200 Seiten starke Büchlein zum praktischen Nachschlagwerk.
Thomas Markus Meier, Vorstandsmitglied
Vorankündigung
Reise nach Syrien und in den Libanon vom 17. bis 28. September 2011
Libanon
Gespräche zum Thema christlich-muslimischer Dialog
mit sunnitischen Basisgruppen und Vertretern anderer Religionsgruppen
(Schiiten, Drusen), besuchen von sozialen
Institutionen der Sunniten, Schi'iten und Drusen sowie besichtigen
von Sehenswürdigkeiten in Beirut und Saida.
Syrien
Gespräche zum Thema christlich-muslimisches Zusammenleben
mit dem Mufti der Republik Syrien, mit deutschen Frauen, die schon
lange in Syrien leben, mit dem Patriarchen oder seinem Vertreter.
Besuchen des Kaftaro-Zentrums (grosse sunnitische Fakultät,
liberal), einer sozialen Institution, Behindertenzentrum. Besichtigen
von Sehenswürdigkeiten (Omaiyaden-Moschee, Souq, Asaad-Pascha-Karawanserei,
Hammam, Nur El-Din Zengi u.a.), evtl. Abstecher nach Aleppo.
Reiseorganisator:
Luzius Jordi zusammen mit Said Arnout
Richtpreis: ca. CHF 2'500.--.
Informationen:
Luzius Jordi, Bantigerstrasse 12a, 3052 Zollikofen
E-Mail: lu.re.jordi@bluewin.ch,Tel. 031 911 69 49
Hinweise
auf Veranstaltungen zum Islam
"Muslimische
und christliche Frauen im Dialog"
Programm Winter 2010/2011
Samstag,
4. Dezember 2010, 14.00-17.00 Uhr
Weihnachten und der Koran - Entdeckung eines gemeinsamen Wortes
(nach dem gleichnamigen Buch von Karl Josef Kuschel).
Samstag,
29. Januar 2011, 14.00-17.00 Uhr
Märchen und Gedichte aus Ost und West - Frauen lesen einander
vor. Wer möchte, bringt eine kurze Geschichte, einen Text,
ein Lied zum Vorlesen mit.
Samstag,
26. März 2011
Offener Frauentreff
Die Treffen finden im Haus am Lindentor, Hirschengraben 7, 8001
Zürich statt.
Nähere Informationen: Hanna Kandal
Tel. 044 322 57 84.
(Alle interessierten Frauen sind an den Treffen willkommen).
Redaktion
und Layout: Marianne Renfer Kellerhals
|